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Karl Kirschbaum sitzt auf der Eingangstreppe der Karl-Arnold-Stiftung

Karl blickt auf sein FSJP bei uns zurück

„Wir sehen aktuell, dass Demokratien keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern ein Zustand, der permanent verteidigt und bewahrt werden muss.“


Dieses Zitat stammt aus meinem Motivationsschreiben für ein FSJ-P bei der Karl-Arnold-Stiftung. Auch heute, fast anderthalb Jahre später, würde ich es genauso wieder formulieren. Nach dem Abitur hatte ich nicht vor, mich direkt wieder in einen neuen Lernzyklus zu stürzen, sondern wollte Erfahrungen in der Praxis sammeln. Mein Interesse in den Bereichen Politik, Gesellschaft und Geschichte waren schon damals sehr ausgeprägt und aus diesem Grund entschied ich mich für ein Freiwilliges soziales Jahr im politischen Leben. 


Wenn Ihr mich fragen würdet, welchen Sinn ein Freiwilligendienst hat, würde ich folgende Aspekte nennen: 

-  Einen normalen Berufsalltag kennenlernen

-  Praktische Erfahrungen zwischen Schule und Ausbildung/Studium sammeln

-  Neue Kontakte knüpfen

-  Seine eigenen Stärken, Interessen und Fähigkeiten herauskristallisieren 

-  Orientierung und Klarheit bei der Berufswahl erhalten


Alles gleichzeitig? – Ja alles gleichzeitig! 


Um das zu verdeutlichen, halte ich in diesem Bericht mein nun abgeschlossenes FSJ-P fest.


Einen normalen Berufsalltag kennenlernen: 

Beginnen wir mit der Einstiegsfrage: „Was macht man überhaupt so als Freiwilliger den ganzen Tag lang?“ - Sicherlich nicht nur kopieren und die Spülmaschine ausräumen, das kann ich versprechen!

Meine Stelle innerhalb der Karl-Arnold-Stiftung ist dem Bildungswerk zugeordnet. Die Stiftung umfasst zwei unselbstständige Institutionen: das Bildungswerk und das Institut, die unter einem Verein und einer Geschäftsführung agieren. Während das Institut seine Schwerpunkte in der aufsuchenden politischen Bildungsarbeit, der Integrationsarbeit sowie Sprach- und berufsvorbereitender Förderung hat, geht es im Bildungswerk primär um politisch-historische Bildung für die (hauptsächlichen) Zielgruppen Jugend und Schule, Bundeswehr, Menschen mit Migrationsgeschichte sowie pädagogische Multiplikator*innen. Prinzipiell stehen die Bildungsveranstaltungen der Stiftung aber allen Interessierten offen. Auch die Stabsstelle (Qualitätsmanagement, digitale Bildung, Kommunikation, Medien und Marketing, Digitalisierung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung) ist dem Bildungswerk angehörig. So viel also zu der Struktur der Stiftung, in die ich mich auch erstmal einlesen musste. 


Damit wären wir auch schon bei meinen Tätigkeiten. In meiner Einarbeitungsphase beschäftigte ich mich zunächst intensiv mit den Strukturen und Prozessen innerhalb der Stiftung. Wie diese historisch gewachsen sind, wer wofür zuständig ist und wie die einzelnen Prozesse eigentlich ablaufen. Doch viel wichtiger – ich lernte das Kollegium kennen, das hinter der politischen Bildung steckt. Ich wurde herzlich aufgenommen und stets als ein Mitglied im Team behandelt, somit stellte sich schnell heraus, dass die Wahl meiner Einsatzstelle die Richtige war.


Die ersten Tage und Wochen verflogen wie im Winde und ich war erstaunt, wie schnell ich mir einen geordneten Arbeitsablauf entwickelte und wie stark sich die anfänglichen Unsicherheiten in der Sache minimierten.


Praktische Erfahrungen zwischen Schule und Ausbildung/Studium sammeln:

Bleibt die Frage, was man als Freiwilliger bei der Karl-Arnold-Stiftung eigentlich so macht. Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, da ich in den vergangenen 12 Monaten in so unglaublich viele Bereiche blicken konnte und die volle Bandbreite der politischen Bildungsarbeit kennenlernen durfte. 


Die zwei wohl größten Projekte waren allerdings diese: Zum einen ein einwöchiges Bildungsseminar in Berlin mit dem Schwerpunkt DDR für andere Freiwillige. Zum anderen mein eigenes Social Media Format mit dem Titel „das PolitPrisma – Karl fragt nach: Europa -so viel mehr als nur ein Kontinent“.


Das DDR-Seminar ist eine traditionelle Aufgabe der Person, die ein FSJ-P bei der Karl-Arnold-Stiftung absolviert. Im Laufe eines Freiwilligendienstes hast du nämlich insgesamt 5 Seminare mit anderen Freiwilligen, die jeweils eine Woche dauern. Bei der IJGD, dem Träger des FSJ-Ps in NRW, ist es üblich, dass eins dieser Seminare ein Wahlseminar ist, was also nicht in der üblichen Seminargruppe stattfindet. Unser DDR-Seminar war eines davon. Alle Freiwilligen der IJGD hatten also die Möglichkeit, dieses Seminar zu wählen. 

Für mich bedeutete das, bereits im Oktober mit der Planung dieses Seminares zu beginnen. Ich durfte mich von der ersten Anfrage, über die Kalkulation und Programmplanung bis zur letzten Buchungsbestätigung um alles selbst kümmern. Selbstverständlich wurde ich bei diesem großen Projekt von meinen Kollegen tatkräftig unterstützt, wenn ich Hilfe brauchte.


Unser Geschäftsführer nannte dieses DDR-Seminar mal das „Gesellenstück des FSJPlers“ und genauso ist es auch. Rückblickend lässt sich festhalten, wie ich mit jedem Arbeitsschritt tiefer in die Organisation eingestiegen bin und somit immer selbstständiger arbeitete.

Es ist unglaublich spannend, bei einem so großen Projekt die Verantwortung zu übernehmen und ich danke meinen Kollegen dafür, dass ich hier so viel Eigeninitiative einbringen konnte.


Stichwort Eigeninitiative. Einzig und allein auf dieser ist nämlich auch das bereits erwähnte Social-Media Format in der Stabsstelle entstanden. Gemeinsam mit unserem Social-Media Team konzipierte ich ein eigenständiges Social-Media Konzept mit allem, was dazu gehört. Auch bei der Produktion der Beiträge habe ich in allen Bereichen das Projekt zu „meinem Projekt“ machen können. 

Aus einer einfachen Idee in einer Teamsnachricht im September 2024 entstand ein riesengroßes Projekt, von dem wohl niemand erwartet hätte, dass es so aufwendig werden würde. Ich führte Interviews, erstellte Lernvideos, verbrachte Stunden mit Recherche- und Konzeptionsarbeit und gemeinsam perfektionierten wir jeden einzelnen Arbeitsschritt. 


Das Ergebnis: Eine 11-teilige Instagramreihe, in der jeder Beitrag ein Alleinstellungsmerkmal hatte. Auch hier geht ein riesengroßes Dankeschön an das Social-Media-Team raus für die Verantwortung und Gestaltungsfreiheit. Doch das war es noch lange nicht. 

Im Bereich der politisch-historischen Bildung gewann ich regelmäßig Einblicke in das Organisieren und Durchführen von Bildungsveranstaltungen. Egal ob durch die Erstellung von Seminarunterlagen oder die Begleitung solcher Veranstaltungen. Gerade diese Hospitationen gehörten definitiv zu den Highlights meiner Arbeit hier. Diese boten mir nämlich kontinuierlich die Möglichkeit, Einblicke im Bereich der Tagungsleitung oder dem Referentendasein zu sammeln und insbesondere mein eigenes politisch-historisches Wissen zu erweitern. Egal ob zum Thema Handelspolitik der EU, Entwicklung unseres Grundgesetzes und der Demokratie oder Sicherheitspolitik. An Themen fehlt es hier definitiv nicht. 


Auch hier konnte ich beobachten, wie mir immer mehr Zuständigkeiten und Vertrauen zugesprochen wurden. Für manche vielleicht Banalitäten, wie eine Urlaubsvertretung, die ich gemacht habe, bedeuteten für mich ein großes Maß an Vertrauen.

In der Stabstelle hatte ich die Gelegenheit, den Lehrgang „Digital Insights“ von Anfang bis zum Ende mitzuerleben. Angefangen mit der Auftaktveranstaltung in Bonn, über die einzelnen Module, in denen ich teilweise als Teilnehmer, teilweise als CO-Moderation oder Hospitant mitwirken konnte, bis zur Abschlussveranstaltung in Düsseldorf. 


Hier hat mich besonders gefreut, dass meine Unterstützung immer gerne angenommen und ich stets nach meiner Meinung oder meinen Einschätzungen gefragt wurde, wenn es darum geht, den Lehrgang zu optimieren. 

Auch im Vertiefungslehrgang „Systemischer Coach in der allgemeinen Weiterbildung“ durfte ich einige Seminarinhalte mitgestalten und erhielt somit nochmal Einblicke in ein völlig anderes Themengebiet.


Des Weiteren war ich ein fester Bestandteil des Social-Media Teams und investierte meine Zeit auch in Recherche, inhaltliche Aufbereitung oder die Produktion von Beiträgen. 

Ich könnte hier noch seitenweise ausholen, wenn es darum geht, meine Tätigkeiten und Aufgabenbereiche zu beschreiben, doch was ich auch unbedingt in diesen Bericht integrieren möchte, ist die Frage, warum genau die Karl-Arnold-Stiftung der richtige Ort für mich als Freiwilliger war.


Neue Kontakte knüpfen:

Neben den bereits sehr ausführlichen abwechslungsreichen Tätigkeiten möchte ich auch unbedingt die Atmosphäre im Kollegium erwähnen. Dadurch, dass wir kein gigantisches Team sind, herrschte ein sehr offener, freundlicher und entspannter Umgang miteinander. Dies fiel mir das erste Mal so richtig auf, als ganz zu Beginn meines FSJ-Ps eine interne Fortbildung zum Thema VR in der Bildungsarbeit für die gesamte Stiftung durchgeführt wurde. Hier lernte ich alle Kollegen kennen und spätestens beim gemeinsamen Mittagessen wusste ich, hier kann man sich wohlfühlen!! 


Erwähnenswert sind hier auch auf jeden Fall die Weihnachtsfeier auf dem Weihnachtsmarkt am Rudolfplatz, der interne KI-Workshop oder der BNE-Betriebsausflug nach Bonn. All diese Veranstaltungen gaben mir die Möglichkeit, meine Kollegen auch privat besser kennen- und schätzen zu lernen. Nachträglich kann ich jetzt sagen, dass jeder von Ihnen etwas Unersetzbares in dieses vielfältige, großartige Kollegium mitbringt. 


Kommen wir vom Kollegium zu der anderen Menschengruppe, die ich in dem vergangenen Jahr kennenlernen durfte – andere Freiwillige. Im Nachhinein definitiv eines der unzählbaren Highlights in diesem Jahr sind für mich die Seminare in meiner Seminargruppe gewesen. Der wertvolle Austausch mit anderen Freiwilligen, die abwechslungsreichen, von uns selbst organisierten Seminarpläne und die vielen tollen Stunden vor und nach dem Programm, in denen sich echte Freundschaften entwickelt haben. 

In besonderer Erinnerung bleiben mir eine Führung mit einer Obdachlosen durch die Bonner Innenstadt, ein Planspiel zum Thema „Pflichtdienst – ja oder nein“, ein Besuch von den anonymen Alkoholikern oder ein Workshop zu Gebärdensprache und vieles mehr!! 

Was ich damit verdeutlichen will: Die Seminare sind eine Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen, spannende Einblicke zu gewinnen und Selbstorganisation zu lernen.


Was nicht unkommentiert bleiben darf, sind die vielen Möglichkeiten, sich neben dem FSJ-P weiter zu engagieren. Bei der IJGD engagierte ich mich im trägerinternen Beteiligungsforum, in dem wir Projekt bezogen daran arbeiteten, die Strukturen innerhalb des Trägers zu verbessern. Ein weiterer Bereich, in dem ich mich engagierte, war die Kampagne fwd-staerken, in der ich seit Januar 2025 im Pressesprechenden-Team aktiv bin. Die Kampagne setzt sich trägerübergreifend und bundesweit für bessere Bedingungen für Freiwillige ein und fordert die Einführung eines „Rechtsanspruches“. Also ein Recht auf einen Freiwilligendienst, der finanziell und personell so gut ausgebaut ist, dass jeder, der ein Freiwilligendienst machen möchte, dies auch tuen kann. Weitere Forderungen sind zudem kostenloser Zugang zum ÖPNV sowie Aufklärungs- und Informationsarbeit an Schulen

Auch hier durfte ich viele neue Menschen kennenlernen und meine Stimme sinnvoll nutzen. 


Zurück zu meiner Tätigkeit in der Stiftung. 


Seine eigenen Stärken, Interessen und Fähigkeiten herauskristallisieren:

Als Freiwilliger wurde ich ständig mit Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert, die dazu führten, dass ich meine Fähigkeiten und Fertigkeiten vertiefen und ich mir klarer über meine persönlichen Stärken geworden bin. Um diese Entwicklung zu fördern, freut es mich, dass ich eigene Schwerpunkte, sowohl inhaltlich als auch praktisch, setzen konnte. Mein Nachfolger wird vielleicht andere Schwerpunkte setzen und das ist auch gut so, denn somit wird das FSJ-P zu einer personalisierten und unterstützenden Station auf dem individuellen Bildungsweg.


Ganz konkret heißt das für mich: Ich habe gelernt, wie viel Spaß ich an Veranstaltungsorganisation habe, wie gerne ich viel Zeit in das Verfassen von Berichten oder Artikeln stecke oder vor der Kamera stehe, um Interviews zu führen, Erklärvideos zu drehen oder Themen verständlich und spannend zu präsentieren. Auch konnte ich meine Überzeugung vertiefen, mit Menschen arbeiten zu wollen und mich weiterhin politisch-gesellschaftlich zu engagieren. 


Zwar sind mir diese Erkenntnisse nun nicht vollkommen neu, aber durch das vergangene Jahr und alle damit verbundenen Tätigkeiten, konnte ich all das in der Praxis ausprobieren und es mir so bestätigen lassen. 


Das führt mich zum letzten Punkt. 


Orientierung und Klarheit bei der Berufswahl erhalten:

Die Arbeit bei der Karl-Arnold-Stiftung hat mein politisch-gesellschaftlich-historisches Interesse untermauert und mit neuem Wissen gefüttert. Denkbar wäre ja auch gewesen, dass ich nach diesem Jahr sage: „Politik schön und gut, aber jetzt reicht‘s auch erstmal.“ Doch das Gegenteil ist der Fall. Vielmehr bin ich mir in meinem Studienwunsch und möglichen späteren Berufsrichtungen klarer geworden und gehe mit einer gefestigten Entscheidung aus diesem Jahr. Auch dafür möchte ich von Herzen allen, die mir bei dieser Erkenntnis geholfen haben, danken.


So war also mein FSJ-P bei der Karl-Arnold-Stiftung. Und das vielleicht sogar stärkste oder allerwichtigste Argument, warum dieses Jahr so gewinnbringend war, habe ich mir für den Schluss aufgehoben: Man hat wirklich das Gefühl, dass man etwas zu unserem demokratischen System beiträgt, durch professionelle, vielfältige und erfolgreiche Bildungsarbeit. Um überhaupt demokratisch handeln zu können bedarf es ein fundiertes Wissen und die Kompetenzen sich kritisch und differenziert mit Themeninhalten auseinander setzen zu können und genau das ist das, was die Karl-Arnold-Stiftung seit langer Zeit erfolgreich umsetzt. 


Liebes Kollegium, ich möchte jedem von euch danken. Sei es für eure Herzlichkeit und Offenheit, eure tatkräftige Unterstützung, wenn ich mal nicht weiterwusste, das große Vertrauen, dass ihr in mich gesteckt habt oder die klare und verständliche Kommunikation. 

Dieses Jahr hat mich auf so vielen Ebenen weitergebracht und ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit etwas zu eurem Auftrag – politische Bildung zu vermitteln, beitragen konnte.


Vielen Dank und bis hoffentlich ganz bald!